Montbert – Haute-Goulaine – Nantes: 47 km
Die Tour geht heute zu Ende! Ich stand an einer Kreuzung und habe mich mit französischen Radfahrern wegen einer Umleitung ausgetauscht. Ich saß nicht auf dem Rad und plopp, wieder ist eine Speiche gerissen. Also zum nächsten Radladen vor Nantes in Haute-Goulaine und die 6. Speiche einbauen lassen. Es macht keinen Sinn mehr, mit diesem Hinterrad noch weiterzufahren. Die Speichen gehen nicht mehr gerade aus dem Laufrad heraus. Es ist eine Drehung zur Nabe vorhanden. Es müssen alle Speichen erneuert werden. Ich werde auch dicke 2 mm Speichen nehmen, die stabilsten, die es gibt.


In Nantes bin ich gleich zum Ticketschalter am Bahnhof gegangen. Eine Fahrt mit Fahrrad nach Paris ist kein Problem und mehrmals pro Tag möglich. Ich habe die Fahrt auf morgen Mittag gelegt, um das doch sehr schöne Nantes vorher anzusehen. Den Flixbus konnte ich auch auf morgen Abend gegen eine geringe Gebühr umbuchen. Also bleibt die Loire für eine eventuellen Urlaub in Frankreich auf dem Wunschzettel.
Die Bilder von Nantes:
Mittags hatte ich ein vietnamesisches Bánh Mi und um die Ecke vom Hotel ist ein anderes vietnamesisches Restaurant, welches ein komplettes Menü anbietet. Endlich wieder abwechslungsreiches und gesundes Essen das auch noch bezahlbar ist.
Zugfahrt mit dem Fahrrad ist kein Problem. Es gibt in den Schnellzügen spezielle Abteile mit Platz für das Fahrrad. Die Bahn ist pünktlich und ist mit dem deutschen InterCity zu vergleichen. In gut zwei Stunden bin ich in Paris.

Fazit:
Frankreich ist mittlerweile ein hervorragendes Land zum Radfahren, mit einem sehr gut ausgebauten Radwegenetz. Die Beschilderung ist durchweg gut, und man hat erkannt, dass Radfahrer auch Touristen sind, auf die man sich einstellen sollte. Die Autofahrer sind rücksichtsvoll – ich habe keine einzige brenzlige Situation erlebt. Die Rhône und die Saône sind besonders gut mit Radwegen erschlossen, und wo Platz ist, gibt es meist auch eine entsprechende Infrastruktur für Radfahrer. Die Temperaturen waren angenehm, da ich auch an der Küste unterwegs war. Die Gegenden, durch die ich gefahren bin, waren durchweg grün und waldreich. Landwirtschaftlich genutzte Flächen, insbesondere mit Getreideanbau, prägen ebenfalls das Landschaftsbild. In Küstennähe fielen die zahlreichen Muschel- und Austernfarmen auf. Durch Ebbe und Flut entstehen große Marschgebiete, die sich weniger zum Baden eignen. Mein persönliches Highlight war Lacanau – ein perfekter breiter Sandstrand mit Dünen und ein flaches, strahlend blaues Meer. Die Campingplätze waren meist günstig und boten noch Platz für Zelte, auch wenn der Trend zu immer mehr Mobilheimen unübersehbar ist.
Spanien ist im Vergleich dazu landschaftlich und klimatisch ganz anders. Es gibt wüstenähnliche Regionen und viele Gebirge entlang der Küste. Ich hatte nicht erwartet, dass Spanien so viele Höhenmeter bereithält. Teilweise fährt man lange durch eine Art Steppe, um dann plötzlich wieder in einer Touristenhochburg am Mittelmeer zu landen. Die Hochhäuser direkt am Meer fand ich eigentlich ganz charmant – sie sind typisch spanisch, ohne Rücksicht auf landschaftliche Harmonie. Der Norden Spaniens steht im starken Kontrast zum Süden: deutlich mehr Vegetation, weniger Touristen, mildere Temperaturen – allerdings auch häufiger Regen oder Nebel. Entlang der Mittelmeerküste wird gebaut, wo immer Platz ist – überall sieht man Werbung für Immobilien. Im Gegensatz zu Frankreich kann man hier noch zu vernünftigen Preisen essen und trinken gehen: Ein großes Bier kostet oft weniger als 4 Euro, in Frankreich dagegen zwischen 7 und 11 Euro. Auch in Spanien wird für Radfahrer gesorgt, vor allem in Städten und deren Umgebung. Auf dem Land kann ein „Radweg“ allerdings auch ein steiniger Küstenpfad oder gar eine Schnellstraße sein. Problematisch waren einige Campingplätze, bei denen es keinen Platz mehr für Zelte gab – nur noch teure, steinige Stellplätze für Wohnmobile, was natürlich mehr Geld einbringt.
Portugal kannte ich bereits ein wenig, und ich war wieder froh, in diesem wunderbaren Land unterwegs zu sein. Die Strände an der Atlantikküste haben einen ganz besonderen Reiz. Das Essen ist günstig, allerdings ist die Küche eher schlicht. Besonders beim Grillen – von Fleisch und Fisch – sind sie stark. Im Süden isst man gerne kleine Schnecken als Snack, ähnlich wie wir Erdnüsse beim Fernsehen. Auch hier war das Radfahren kein Problem. Den EuroVelo 1 führen sie allerdings gelegentlich über Strecken, die eher für Mountainbikes geeignet sind – direkt an der Küste entlang. Es gibt viele Kilometer ruhige Straßen hinter den Dünen, auf denen man entspannt radeln kann. Auch die Fahrradmitnahme in Regionalzügen ist unkompliziert und ermöglicht es, kürzere Distanzen bequem zu überbrücken.
In Frankreich und Spanien gibt es natürlich überall Decathlon- und Intersport-Filialen. Ich musste nie warten und wurde stets freundlich und hilfsbereit empfangen. In allen drei Ländern wurde mir mit Respekt begegnet – oft auch mit einem kurzen Hupen als freundliche Geste der Anerkennung.
Alles in allem war es die richtige Entscheidung, die Tour so zu machen. Gerade jetzt werden im Süden Spaniens und in Portugal Temperaturen von über 40 Grad gemeldet – ich bin also zur richtigen Zeit unterwegs gewesen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Reise und habe die drei Länder viel besser kennengelernt als mit unseren vorherigen Reisen. Nach Frankreich möchte ich auf jeden Fall noch einmal – egal ob mit dem Auto oder dem Fahrrad.








